Es war ein trüber Tag, aber das Wetter passte zu meinen Gefühlen. Es regnete und dicke Tränen liefen über meine Wangen, ohne dass ich sie mit Willenskraft stoppen konnte. Warum? Warum hatte immer ich so ein riesen Pech mit der Männerwelt? Das musste doch mal ein Ende haben, dachte ich mir, wusste aber keine Antwort auf diese Frage. Gestern war er los geflogen, nach Fern Ost. Und ob ich ihn jemals wiedersehen würde, stand gänzlich in den Sternen. Dabei fing alles so gut an. Ich begann in Gedanken die letzten drei Monate noch mal herauf zu beschwören:
Eigentlich wollte ich ihn gar nicht anschreiben, an diesem Tag im Dezember. Ich surfte wiedermal eher lustlos durch die weiten Foren der Singlewelt da stieß ich auf sein Profil - Sunnyboy99. Der Name kam mir bekannt vor, doch ich wusste nicht mehr, ob ich schon mal in Kontakt mit ihm getreten war. Na was soll‘s, ein Klick und schon landete ich auf seinem Profil.
„Ach der war das!“, dachte ich ein wenig gelangweilt, denn er hatte nicht sein eigenes Foto hochgeladen, sonders das eines bekannten Schauspielers, Colin Firth.
„Was für ein Blödmann, hat anscheinend zu viel Schiss, sein eigenes Foto hochzuladen“, war mein erster Gedanke und da ich ja ein recht großes Mundwerk habe und nun bestimmt schon das zehnte Mal auf dieser Seite gelandet war, musste ich ihm einfach schreiben, nur um zu sehen wie er reagiert – wenn er denn reagieren sollte.
„Na, siehst du so scheiße aus, das du nicht mal ein Foto von Dir hochladen kannst?“, waren meine ersten Worte an ihn.
Und es kam ein Grinsen zurück.
„Ganz im Gegenteil, aber ich bin Jugendtrainer im Squash-Bereich und ich weiß das hier genügend der Kids rumsurfen und da muss ich ja nun nicht gleich mit meinem Profil am schwarzen Brett hängen.“, war seine Antwort.
Wir kamen ins Gespräch. Ich fragte ihn warum gerade ein Bild von Colin Firth genommen hätte und er meinte, dass er ihm sehr ähnlich sehen würde und dass er sich mit drei Frauen getroffen hätte, denen es nicht aufgefallen war, dass er nicht der Mann vom Foto war.
„Mein Gott müssen die dämlich gewesen sein“, dachte ich.
Das machte mich natürlich neugierig, denn wenn ich ganz ehrlich bin, Colin Firth würde ich nicht von der Bettkante schupsen. Er hatte mich neugierig gemacht, ich wollte ihn kennen lernen! Er musste beruflich noch ein paar Tage in den Süden Deutschlands und sagte, er würde sich melden, sobald er wieder zu Hause wäre.
„Ok, muy bien“, dachte ich mir mal sehen was mich da erwartet. Das war der erste Kontakt zu diesem Mann, der mein Leben verändern sollte.
Ich heiße übrigens Marisol (nein ich heiße nicht wirklich Marisol, aber man darf mich so nennen) und bin 26 Jahre alt und komme aus Oldenburg, einem schönen mittelgroßen Städtchen im Norden des Landes. Ich bin Studentin der Universität Bremen und studiere Spanisch auf Lehramt, Sek. 1. Demnächst müsste ich so langsam fertig werden, oder sagen wir mal so: Wir schreiben das Jahr 2009, ich studiere seit 11 Semestern und im Jahr 2011 läuft der Studiengang aus. Also lautet mein Motto: 2011 kommt schneller als man denkt! Nein, aber so ernst sollte es dann nicht werden. Ich habe eigentlich vor im nächsten Semester die „Scheinfreiheit“ zu erlangen und dann mit den Examensprüfungen zu beginnen, sprich mein Ziel ist es in spätestens drei Semestern fertig zu sein. Aber das nur am Rande.
Ich hatte nie so richtig Glück mit der Männerwelt. Es gab da schon sehr herbe Enttäuschungen. Das erste Mal, das ich mich so richtig verliebt habe, da war ich 20 und befand mich in meinem Auslandsjahr in Barcelona, nach dem Abitur. Er war Brasilianer, wohnte aber leider gar nicht in Barcelona, sondern in Rom und der Kontakt brach so schnell wieder ab, wie er zustande gekommen war. Bevor wir uns jedoch verabschiedeten, es war wenige Tage vor Weihnachten, sagte er zu mir:
„Te deseo todo lo mejor. Un año nuevo muy bueno y mucho sexo.”
Was soviel bedeutet wie: Ich wünsche dir nur das Beste. Ein gutes neues Jahr und viel Sex. Dabei schaute er mich an und sagte dann: „No, no quiero que tengas sexo con otros chicos!“ – Er wollte also nicht, dass ich mit anderen meinen Spaß haben würde. Im Nachhinein sehr egoistisch! Aber seit diesem Tag haftete dieser Satz an mir wie ein Fluch. Zum Abschied küsste er mich und ich schwebte im siebten Himmel. Ich hörte die Engel singen und tanzte mitten in der Nacht pfiff mir ein Taxi herbei und hatte dieses Grinsen auf dem Gesicht, das man hat wenn man sich bis über beide Ohren verliebt hat und die Welt durch eine rosa-rote Brille sieht und alles, alles toll findet.
Doch wenige Wochen später kam dann die Ernüchterung – Ich konnte ihn nicht erreichen. Sein Freund teilte mir dann mit, dass sein Vater in Brasilien im Sterben liegt und er alle Zelte abgebrochen hatte, um wieder zurück zu kehren und den Hof zu übernehmen.
Ich fiel von meiner Wolke und landete hart. Wochenlang hatte ich keinen Spaß an nix, ließ mich aber von Freunden auf Partys mitschleppen. Wenn mich ein Mann ansprach, hatte ich kein Interesse, keiner war mir gut genug, denn alle wurden verglichen mit diesem Einen, meiner ersten großen Liebe.

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